Ist die Zeit reif für Imaminnen?

Frauen diskutieren in Weißenfels über die Rolle der Frau im Islam

Einen offenen, ehrlichen Austausch auf Augenhöhe zu dem Thema „Frauen im Islam“ hatte der Dachverband der Migrantinnenorganisation (DaMigra) versprochen. Und so fanden sich am Dienstag, 5. September 2017, in der Koordinierungsstelle Weißenfels 15 Frauen ein, die sich berufsbedingt mit dem Islam beschäftigen oder selbst gläubig sind. Sie diskutierten am Ende nicht nur über das Frauenbild in der arabischen Welt sondern auch über den Islam im Allgemeinen und über Islamisierung.

Die Gesprächsrunde leitete die Sozialanthropologin Dr. Rano Turaeva-Höhne. Die Wissenschaftlerin, die selbst Muslima ist, stellt immer wieder fest, dass Europäer mit dem Begriff „Islam“ sowohl eine Religion als auch eine Kultur bezeichnen. Dies führe zu Missverständnissen, da in arabischen Ländern der „Islam“ ausschließlich die Religion bezeichnet. Auf einer anderen Ebene stehe die oft patriarchalische (von Männern geprägte) Gesellschaft. Diese Trennung sei vor allem für atheistische Menschen schwer nachvollziehbar. „Der Islam sagt, dass vor Gott Frauen und Männer gleich sind“, erklärte Turaeva-Höhne. Falsche Interpretationen der religiösen Leitsätze hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Rechte der Frauen im gesellschaftlichen Leben beschnitten wurden. Seit einigen Jahren gebe es jedoch auch Gegenbewegungen. So stellte die Sozialanthropologin wichtige Frauen der islamischen Kulturgeschichte vor und berichtete, dass es mittlerweile erste Frauen gibt, die als Imam arbeiten und eigene Religionsgemeinden bilden. Da dies bisher vorwiegend in nicht-arabischen Ländern passiert, stelle eine solche Entwicklung jedoch nur einen Anfang für den Feminismus dar.

„Im Christentum waren es die Priester, die den Gläubigen die Bibel vorlasen und ihnen sagten, was richtig und was falsch ist. Im Islam steht jeder in direkter Verbindung zu Gott. Jeder liest selbst den Koran und nimmt Interpretationen der Leitsätze vor. So sind verschiedene Auslegungen der Religion entstanden“, sagte Maha Hussein vom DaMigra-Verein aus Leipzig. Für Muslimas sei der Islam eine wichtige Hilfe, um Fragen und Probleme des täglichen Lebens zu klären. Das Tragen eines Kopftuches sei beispielsweise kein Zeichen der gesellschaftlichen Unterdrückung sondern der Verbundenheit zur Religion. Dies bestätigte vor Ort eine Muslima, die sich erst spät dazu entschlossen hatte, ein Kopftuch zu tragen. Die Deutschen Frauen nutzten die Gelegenheit, um weitere Fragen an die Muslimas zu stellen.

Die Stadt Weißenfels beteiligt sich in diesem Jahr mit 15 Veranstaltungen an den Interkulturellen Wochen des Burgenlandkreises. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zu den Projekten eingeladen. Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Auch die Städte Naumburg, Zeitz und viele weitere Akteure aus den Verbandsgemeinden Unstruttal und An der Finne bieten eigene Projekte an. Alle Informationen zu Veranstaltungen oder Aktionen im Rahmen der Interkulturellen Wochen erhalten Sie unter www.integration-burgenlandkreis.de oder telefonisch im Bereich Gleichstellung/Integration der Stadtverwaltung Weißenfels unter der Rufnummer 03443 370-463.